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  • AutorenbildV. Romanov

Hypnosetherapie bei Schlafstörungen. Teil I: Problembeschreibung



Schlaf ist etwas, das uns alle verbindet. Fast alle bekannten Lebewesen brauchen Schlaf zum Leben, auch wenn dieser Ruhezustand von Lebewesen zu Lebewesen unterschiedlich aussieht und abläuft. Doch was ist Schlaf? Schlaf ist ein natürlicher Ruhezustand, der durch eine verminderte Aktivität des Nervensystems und eine reduzierte Wahrnehmung der Umwelt gekennzeichnet ist. Während des Schlafs verändert der Körper verschiedene Körperfunktionen wie Herzfrequenz, Atmung, Stoffwechsel, Temperatur und Hormonausschüttung. Schlaf ist einer der wichtigsten Faktoren für die Regulierung des Energiehaushalts, der Stimmung und der kognitiven Fähigkeiten. Regelmäßiger und gesunder Schlaf ist für unsere körperliche und geistige Gesundheit unerlässlich, da Schlafmangel zum Teil gravierende Folgen für unsere physiologische, kognitive und emotionale Verfassung haben kann.


Kontrollierte wissenschaftliche Experimente haben gezeigt, dass Schlafentzug je nach Dauer unterschiedliche körperliche und geistige Beeinträchtigungen verursacht, die im schlimmsten Fall zum Tod führen können. Bereits ein kurzzeitiger Schlafentzug kann Symptome wie Schläfrigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Reizbarkeit und verminderte kognitive Fähigkeiten hervorrufen. Bei längerem Nicht-Schlafen von bis zu 48 Stunden verstärken sich die ohnehin schon vorhandenen Ermüdungserscheinungen und können durch Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit und Stimmungsschwankungen ergänzt werden. Bereits nach 48 bis 72 Stunden Schlafentzug können psychotische Symptome wie Paranoia und Halluzinationen auftreten. Längerer Schlafentzug kann das Herz-Kreislauf-System beeinträchtigen, Herzrhythmusstörungen verursachen, das Immunsystem schwächen, Depressionen und Angstzustände auslösen und sogar zum Tod führen. Wann genau welche Symptome auftreten, hängt von den individuellen Eigenschaften, dem Gesundheitszustand und der genetischen Veranlagung ab. Die genannten Zeitangaben machen jedoch deutlich, dass Schlafentzug sehr schnell sowohl die geistige als auch die körperliche Leistungsfähigkeit eines Menschen stark beeinträchtigt.


Ähnliches gilt für chronischen Schlafmangel, der unter anderem mit einem erhöhten Risiko für Herzkrankheiten, Diabetes, Übergewicht, Depressionen und Angstzuständen in Verbindung gebracht wird. Dennoch wird die Bedeutung des Schlafs oft unterschätzt. Die Ursachen für chronischen Schlafmangel sind vielfältig: Schichtarbeit, Dauerstress, mangelnde Schlafhygiene, Alkohol- oder Medikamentenmissbrauch sowie organische und psychische Schlafstörungen. Während einige Ursachen für Schlafmangel relativ einfach beseitigt werden können, sind andere nur mithilfe von professionellen therapeutischen Maßnahmen zu überwinden.


Schlafstörungen können in jedem Lebensalter auftreten und vielfältige Ursachen haben. Nach dem Internationalen Klassifikationssystem von Krankheiten (ICD-10) unterscheidet man grundsätzlich zwischen organischen und nichtorganischen Schlafstörungen, d.h. solchen, die eine eher körperliche Ursache haben, und solchen, die auf psychische oder andere unbestimmte Faktoren zurückzuführen sind. Schlafstörungen können durchaus als Begleiterscheinung oder Symptom anderer körperlicher oder psychischer Erkrankungen auftreten.


Zu den organischen Schlafstörungen gehören vor allem das Restless-Legs-Syndrom, die obstruktive Schlafapnoe und die seltene Schlafkrankheit Narkolepsie. Für die genannten Schlafstörungen sind entweder spezifische organische Ursachen bekannt oder zumindest vermutet, aber nicht nachgewiesen, wie es derzeit noch bei der Narkolepsie der Fall ist. Das Restless-Legs-Syndrom verursacht, wie der Name schon vermuten lässt, meist schmerzhafte Missempfindungen in den Beinen, die durch Bewegung gelindert werden können. Bei der Schlafapnoe wiederum erschlafft die Muskulatur der oberen Atemwege, was zu einem Verschluss der Luftröhre und plötzlichem, kurzem Erwachen führt. Die Narkolepsie wird auch als Schlummersucht bezeichnet, da sie im Gegensatz zu den eingangs genannten Störungen dazu führt, dass die Betroffenen zu jeder Tageszeit in einen tiefen Schlummer fallen. Dies kann in den unpassendsten Momenten geschehen und für die Betroffenen verständlicherweise große Probleme mit sich bringen.


Nichtorganische Schlafstörungen lassen sich hauptsächlich in nichtorganische Insomnien, nichtorganische Hypersomnien, nichtorganische Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus sowie Parasomnien wie Schlafwandeln oder Albträume unterteilen. Zu den häufigsten Schlafstörungen zählt die nichtorganische Insomnie. Je nach Klassifikationssystem kann diese Störung unterschiedlich definiert werden. Grundsätzlich lässt sich jedoch sagen, dass Sie sich durch Ein- und Durchschlafstörung bzw. nichterholsamen Schlaf und daraus resultierende Beeinträchtigungen der Tagesbefindlichkeiten auszeichnet, die über einen Zeitraum von mehr als 4 Wochen bestehen. Folgende Symptome können in Verbindung mit dieser Störung auftreten:

  • Einschlafschwierigkeiten

  • Frühes Erwachen am Morgen

  • Häufiges Aufwachen in der Nacht

  • Unruhiger, nicht erholsamer Schlaf

  • Tagesmüdigkeit und Benommenheit

  • Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen

  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen

  • Beeinträchtigung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit

  • Soziale Isolation und Beeinträchtigung der Lebensqualität

  • Leidensdruck durch die Begleiterscheinungen der Schlafstörung

Wenn die Schlafstörung länger als drei Monate andauert, spricht man von einer chronischen Insomnie. Wenn sie wiederholt auftritt und jedes Mal weniger als drei Monate andauert, bezeichnet man sie als episodisch.


Insomnie wird in vielen Studien als Synonym für Schlafstörungen verwendet. Epidemiologische Untersuchungen haben gezeigt, dass ca. 8 Millionen Deutsche an Ein- und Durchschlafstörungen leiden. Für den westeuropäischen Raum und die USA werden Prävalenzraten von ca. 20 % angegeben. Weltweit schwanken die Zahlen zwischen 10 % und 48 %. Diese Zahlendiskrepanz beruht in erster Linie auf unterschiedlichen Diagnosekriterien, aber auch darauf, dass die Betroffenen zum Teil über viele Jahre keine therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen. Weniger als die Hälfte der Personen, die länger als 2 Jahre unter den Symptomen leiden, wenden sich deswegen an einen Arzt. Die durchschnittliche Störungsdauer liegt bei 12-14 Jahren. Diese Ergebnisse sind auch auf Kinder und Jugendliche übertragbar. Dies ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass die Betroffenen die Störung weitgehend akzeptieren und sich mit ihr arrangieren, insbesondere wenn die Beschwerden nur episodisch auftreten. Ein- und Durchschlafstörungen treten bei Frauen häufiger auf als bei Männern und nehmen im Allgemeinen mit dem Alter zu.


Die Hauptschwierigkeit besteht darin, diese Störung nach ihren Ursachen zu unterscheiden: Ist sie auf einen oder mehrere körperliche Faktoren zurückzuführen oder hat sie emotionale Ursachen? Ist sie symptomatisch für eine andere psychische oder körperliche Erkrankung, an der der Patient leidet? Was sind die genauen Gründe, warum der Patient nicht einschlafen oder durchschlafen kann? Bei der Vorstellung beim Arzt oder Therapeuten sollten die Ursachen der Schlafstörung vor Beginn einer Therapie abgeklärt werden, vor allem um körperliche Ursachen auszuschließen. So kann zum Beispiel der Verdacht auf eine schlafbezogene Atmungsstörung durch eine apparative Diagnostik wie die Polysomnografie bestätigt werden. Diese wird in der Regel stationär in einem Schlaflabor durchgeführt, wobei über die ganze Nacht verschiedene Körperfunktionen gemessen und aufgezeichnet werden. Bei psychisch bedingten Schlafstörungen wird in der Regel auf eine apparative Diagnostik verzichtet. Stattdessen hat sich das Führen eines Schlaftagebuchs bewährt. Das Tagebuch besteht aus einem Morgen- und einem Abendteil und beinhaltet die Einschlafdauer, die Häufigkeit und Dauer des nächtlichen Wachseins sowie die Aufstehzeit. Darüber hinaus können Alltagsprobleme sowie Alkohol- und Kaffeekonsum gut dokumentiert werden. Schlafstörungen gehen häufig mit einer Fehleinschätzung der Schlafdauer und der Schlafzeiten einher. Ein Schlaftagebuch kann einen zuverlässigen und objektiven Einblick in die Besonderheiten des Störungsbildes des jeweiligen Patienten geben.


Schlafstörungen stehen häufig in direktem Zusammenhang mit Stresssituationen, verschwinden aber nach der Belastungsperiode wieder. Sie können aber nicht nur im Zusammenhang mit einschneidenden Lebensereignissen auftreten, sondern auch als Folge von alltäglichen kleineren Stressbelastungen. Die Gefahr besteht darin, dass der Übergang von kleineren Episoden nächtlichen Erwachens zu einer chronischen Insomnie schleichend verläuft. Eine chronifizierte Schlafstörung birgt ein erhöhtes Risiko für spätere psychische Erkrankungen wie Angststörungen, Depressionen und Alkoholabhängigkeit durch Selbstmedikation. Schlafstörungen im Kindesalter sind von besonderem Belang und sollten frühzeitig erkannt und behandelt werden. Ein- und Durchschlafprobleme bei Kindern gehen mit verminderter Lernleistung einher, neigen zur Chronifizierung und können so die Entwicklung von Suizidgedanken und emotionalen Krisen im Jugendalter begünstigen.


Die Entstehung und Chronifizierung psychisch bedingter Schlafstörungen erfordert mehrschichtige Erklärungsansätze, die der Komplexität des Störungsbildes und seiner Mechanismen gerecht werden. Etwa 75 % der Insomniker bringen den Beginn der Schlafstörung mit kritischen Lebensereignissen wie Todesfall, Trennung vom Partner oder Verlust des Arbeitsplatzes in Verbindung. Diese einmaligen Ereignisse, die durchaus langfristige Auswirkungen haben können, reichen jedoch nicht aus, um die Chronifizierung oder das regelmäßige Auftreten von Schlafstörungen zu erklären. Es hat sich gezeigt, dass die Bewältigung der sogenannten "daily hassles", der Alltagsprobleme und des Alltagsstresses, wesentlich zur Chronifizierung der Störung beiträgt. Studien haben gezeigt, dass Insomniker eher ungünstige Problemlösungsstrategien im Umgang mit Stress zeigen. Sie neigen in Konfliktsituationen seltener zu aggressivem Verhalten, geben sich häufiger selbst die Schuld und unterstellen ihrer Umwelt seltener böse Absichten. Die hier genannten Verhaltensmuster sind in der Regel gesellschaftlich positiv besetzt und gelten allgemein als wünschenswert und angemessen. Aus der Perspektive der Entstehung und Chronifizierung von Schlafstörungen erscheinen diese Verhaltensweisen jedoch eher ungünstig. Diese Aspekte des Bewältigungsstils werden noch unterstrichen durch die Tendenz zur Internalisierung von Konflikten, zur Überbewertung von Problemen und zur Hemmung, Gefühle – positive wie negative – auszudrücken.


Doch welche Verhaltensmuster und Gedanken führen im Einzelnen dazu, dass man nicht einschlafen kann und welche Behandlungsmethoden gibt es, um endlich wieder gut schlafen zu können? Das erfahren Sie im zweiten Teil des Artikels.

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